Beate am 12. Aug 2014

Sagt das grosse T zum kleinen e: Unterschneiden tut nicht weh

„Komm näher“, sagte das große T zum kleinen e. „Wir wollen uns unterschneiden.“
„Tut das weh?“ fragte das kleine e. Das große T lachte, beugte sich ein wenig vor und sagte: „Weißt du Kleines, nur ein ästhetisches Schriftbild, in dem die Buchstaben rhythmisch gleichlaufend stehen, erfüllt die wichtigste Forderung: Das gesprochene Wort dem Leser mühelos wiederzugeben.“
typgografie„Komm näher“, sagte das große T zum kleinen e. „Wir wollen uns unterschneiden.“ „Tut das weh?“ fragte das kleine e. Das große T lachte, beugte sich ein wenig vor und sagte: „Weißt du Kleines, nur ein ästhetisches Schriftbild, in dem die Buchstaben rhythmisch gleichlaufend stehen, erfüllt die wichtigste Forderung: Das gesprochene Wort dem Leser mühelos wiederzugeben.“

 

 

Früher, als es noch den Bleisatz gab, saß jeder Buchstabe auf einem eigenen Bleikegel mit rechteckiger Grundfläche. Zwischen zwei Buchstaben verlief dabei also immer eine senkrechte physische Grenze. Heute im Computersatz kann man unpassende Abstände zwischen kritischen Buchstabenpaaren leicht beheben. Ein ästhetischer Schriftweitenausgleich (automatisches Kerning) ist bereits in jeder Schriftart hinterlegt. Zusätzlich dazu kann der Schriftanwender die Buchstaben optisch ausgleichen (manuelles Kerning). Nur so entsteht dann „für das Auge“ ein optimaler Lesefluss.

 

Das kleine e lauschte gebannt den Erzählungen. Es schaute nach oben zum großen T und sinnierte: „Das mit den harmonischen Zwischenräumen ist eine tolle Sache“. Sprach’s und schmiegte sich noch ein bisschen näher an das große T.

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